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Markt Eschlkam
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Eschlkam – ein Blick in alte Protokolle

Obwohl wir in einer den neuesten technischen Errungenschaften sehr ergebenen  Welt leben – gerade ist die vernetzte Digitalisierung aktuell, ein Thema das im beruflichen Alltag mittlerweile alle angeht – erwächst von selbst - offenbar als ein Gegenpart dazu - in uns Menschen immer mehr das Interesse an der Geschichte unseres Volkes, unserer Heimat. Nicht nur die großen, geschichtliche Abläufe prägenden Ereignisse stehen im Vordergrund, täglich dargeboten in einzelnen Kulturprogrammen des TV, sondern in erster Linie auch die regionale Geschichte: dort wo man seine familiären Wurzeln hat, wo man arbeitet und lebt.

Deshalb möge diese kommende Artikelreihe – ergänzend zu den bisherigen chronikalen Publikationen – beitragen, den Bewohnern im Hohenbogen-Winkel Einblick darin geben, was sich vor langer Zeit, an die die Erinnerung nicht mehr reicht,  im Gemeindebereich von Eschlkam vor mehr als 100 Jahren abspielte, welche Probleme des Alltags zu bewältigen waren. Wohn- und Lebensverhältnisse sind ebenso interessant wie nicht alltägliche Vorkommnisse.  

  • Übergabe der Penzkofer-Mühle 1747

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    Das Archiv des Marktes Eschlkam darf sich eines reichen Fundus an Urkunden, Akten und auch Protokollen aus früher Zeit erfreuen. Daraus sollen in dieser und den folgenden Abhandlungen verschiedentliche Inhalte dem Leser angeboten werden, die in der 2010 vom Verfasser erstellten Geschichte des Marktes allein aus Platzgründen nicht berücksichtigt werden konnten.

    Zunächst einige einleitende Ausführungen zum Markt Eschlkam selbst: Eine zentrale und gehobene Stellung im Markt hatte neben dem Bürgermeister der jeweilige Marktschreiber, der meist eine für die Zeit herkömmliche, ja teils juristische Ausbildung genossen hatte. Mit ihm, der sämtliche Ratssitzungen protokollierte, fungierte die Führung des Marktes auch als Urkundebehörde und erledigte so die Aufgaben der heutigen Notariate. Sämtliche Kaufverträge und Übergaben der Häuser und Grundstücke, Heiratsverträge und Testamente, Bürgschaften und Leihverträge wurden vom Marktschreiber abgefasst, niedergeschrieben und gesiegelt. Mit dem Siegel des Marktes erlangten sie die amtliche Gültigkeit. Überliefert sind uns diese vielen zivilrechtlichen Verfügungen in den sog. Briefprotokollen. Von Eschlkam sind sie uns ab dem Jahr 1719 mit Unterbrechungen bis 1807 erhalten.

    Vorgestellt werden zunächst in Briefprotokollen des 18. Jahrhunderts niedergeschriebene Übergaben einzelner für den Markt bedeutender Gebäude. Wir beginnen zunächst mit einer Mühle.

    Zu den ältesten Gewerben, ausgeübt seit jeher im Marktbereich, zählt das Handwerk der Getreidemüller. Sie haben in der sozialen Struktur des Marktes einen festen Platz und einen bedeutenden Stellenwert.

    Als erster Fall sei die Übergabe der sog. Penzenmühle behandelt. Dazu einige Nennungen von Namen dieser Einrichtung in den letzten Jahrhunderten. So heißt sie im Jahr 1659 auf der „Palbersdorfermil“; 1686 „Druckhen- oder anietzo Lährnbecher Mihl“; 1688 „Truckhenmüll...DruckhenMihl“; 1694 „Pentzkhoverische Mill“; 1695 „Hannsen Pentzkhover Millern uf der Truckhenmill“; 1739 „auf der Penzkhofermihl“; 1747 „Penzenmill“; 1780 „Andrae Penzkofer Mühler auf der Truckenmihl“; 1840 „Pratzmühle, Penzenmühle“.

    Das Bestimmungswort des Erstbelegs gehört zum Familiennamen „Balbersdorfer“; dieser zum Ort Balbersdorf  bei Waffenbrunn. Die Bezeichnung „Truckenmühle“ (mundartlich „drucka“-trocken steht im Gegensatz zum Namen „Naßmühle“ – der unweit gelegenen Bäckermühle). Lernbecher ist der Name einer damaligen Bürgerfamilie in Eschlkam. Nicht behaupten konnte sich der Name „Pratzmühle“ (zu mundartlich „brods“ für Frosch). Seit 1694 erscheint der Familienname Penzkofer als Bestandteil des Mühlennamens wobei „Penz/Benz“ dazu eine Kurzform darstellt.

    Nun einzelne Inhalte aus der Übergabe der Mühle am 11. September 1747:

    Um den Steuerwert der Mühle und damit auch die sog. Notariatskosten berechnen zu können wurde sie damals mit allem Zubehör und den dazu gehörenden Gründen auf 1745 Gulden geschätzt. Im Vergleich zu anderen Anwesensübergaben eine hohe Summe; kostete doch nur Jahrzehnte später ein Kalb ca. 6-7 Gulden, ein Scheffel (222 Liter) Weizen etwa 20 bis 24 Gulden. So hatte „Maria Lährnbecherin, burgerliche Wittib (Witwe) und Müllerin auf der sog. Truckhmüll des alhiesigen Churfürstlichen Pannmarkhts Eschlcamb so aber Alter- und Leibszerbrechligkeit halber…nit selbst erscheinen können“. (Unter dem Begriff „Bannmarkt“ ist ein Markt mit eigenem Magistrat und eigener Jurisdiktion innerhalb des Burgfriedens zu verstehen, wobei der Burgfrieden hier den fest umgrenzten Gemeindebereich bedeutet).

    Vertreten wurde sie, ausgerüstet mit aller Vollmacht, von dem „Beyständter“ Caspar Penzkhofer. So übergibt sie ihre am 19. Oktober 1734 „ihr allein haimbgefallene (wohl durch den Tod des Mannes) sogenandte Trukhmühl mit den 3 Mahlgängen samt dem sehr zusambgefallenen Haus, Stadl, Stallung, Wurzgärtl item der halben Altwisen aufn untern Pernfurhrt, die Wiese vom Hausstadel bis an die Straß zwischen dem Alt- und Müllbach entlegen; dann  das Feld neben dem Staudtenweyer und dem Wisl daneben, item das sog. Peimblfeld nebst dem Spättschen Gärtl“. Zur Übergabe gehörten auch die „Haus- und Paumannsfahrnis“ (letztere sind sämtliche Geräte für den Betrieb der Landwirtschaft), das sämtlich vorhandene Vieh und das Mihlwerchzeig“ (Gerätschaften für den Müller) ihrem geliebten Tochtermann (Schwiegersohn) Wolfgang Schmaus des Rats und derzeit Ambts Burgermaister und seiner Ehefrau Catharina, ihrer Tochter“.

    Eigens wurde auch „die Ausnamb hierauf protokolliert“. Demnach erhielt die übergebende Mutter Maria Lährenbecherin  „ad dies vite“ (zeitlebens) die Herberg auf der Stuben“, (im Stall) „ein Pläzl für eine Khue und dem erforderlichen Ohrt zur Huetterey“ (Wiesengrund als Weide für die Kuh). Sollten sich die Parteien miteinander nicht vertragen können, so wäre der Schmaus „obligirt (verpflichtet) der Ausnemberin, dann (für die) Stallung und (den) Huetterplaz jährlich 4 Gulden Zins an dessen statt zu veraichen“; außerdem erhielt sie noch 4 Klafter (12 Ster) Holz für die Heizung ihres Ofens im Stübl. Zuletzt wird darauf verwiesen, dass die „Schmaus’schen Eheleutth“ verpflichtet sind, ihrer Mutter „alles das jenige zu verraichen“, was punktuell in dem Übergabebrief vom 19. Oktober 1734 bereits vereinbart wurde. Diese notarielle Niederschrift ist nicht vorhanden.

    Im Vergleich zu den heutigen Lebensverhältnissen erscheint die „Ausnamb“ der Maria Lährnbecher zunächst eher ärmlich. Sie darf aber wegen der durch die infolge vorangegangenen Kriege bedingten schweren Zeiten noch als gut vertretbar gelten. Auch sollten angesichts des baulich ruinösen Zustands der Mühle die Nachfolger wohl wirtschaftlich nicht zu sehr belastet werden. (Quellen und Literatur beim Verfasser vorbehalten)

    Werner Perlinger

  • Großaign und Eschlkam im Streit um den Bau eines „Krankenhauses“

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    Auch früher hatten die Gemeinden soziale Aufgaben zu erfüllen / Christliche Nächstenliebe auf dem Prüfstand !

    „Gemeinde zu Großaigen gegen die von Kötzting wegen Aufrichtung eines Krankenhauses etc. de Annis 1688 – 1690 etc.“, so lautet der Titel eines Aktes. Was war geschehen, dass sich die Dorfgemeinde Großaign am 3. Dezember des Jahres 1688 ganz „underthenig, flechentlichsten bithen“ (mit flehentlichsten Bitten) ausdrücklich an ihren Landesherrn, den Kurfürsten Max Emanuel in München wandte. Dazu folgende Vorinformation: Der Dreißigjährige Krieg war gerade mal 40 Jahre vorbei. Dagegen war eine kriegerisch virulente Bedrohung des christlichen Europa durch die Türken Jahrzehnte nach dem Dreißigjährigen Krieg in hohem Maße gegeben. Im großen Türkenkrieg, der von 1683-1699 dauerte, wehrte Österreich und mit ihm das Abendland, teilweise mit reichs-, päpstlicher und polnischer Hilfe die Angriffe ab und ging selbst zum Angriff über. Gerade unser Land Bayern war in diese Kriege immer wieder stark eingebunden. Es war deshalb kein Wunder, dass auch der Hohenbogen-Winkel, durch dessen Territorium alte Fernwege verliefen, unmittelbar an der Grenze zu Böhmen davon indirekt betroffen war.

    So waren bereits 1687, im Jahr vor dem Sturm auf Belgrad, kranke Soldaten aus Ungarn beim Heimmarsch aus den Kriegsgebieten in das Dorf Großaign gebracht worden. Sie wurden zunächst in das gemeindeeigene Hüthaus gelegt, und der Dorfhirte musste sich vorerst eine andere Herberge suchen. Mittlerweile waren im Hüthaus fünf Soldaten verstorben

    Ob dieser Vorgänge entstand Unruhe, die Bauern gerieten in große Sorge und lehnten den weiteren Verbleib kranker Soldaten in ihrem Dorfbereich kategorisch ab. So lasse sich das Hüthaus zu einem „Khrankhenhauss nit machen“, so die Begründung der Großaigener Bewohner. Mit dem deutlichen Hinweis, dass dagegen das Hüthaus des Marktes „Öschlcamb bei der Prukh“ für ein Krankenhaus einst gehalten worden sei, bittet am 3. Dezember 1688 die ganze „Dorfsgemain zum Grossaigen“, die kurfürstliche Durchlaucht möge dem Pfleggericht Kötzting befehlen, die kranken Soldaten nicht mehr zuzuführen, gleichwohl sollten für diese beim Markt „Öschlcamb (ein) Underhalt (eine Unterkunft) geschaffen werden“.

    Sofort erging am 7. Dezember von der Regierung Straubing an das Pfleggericht Kötzting der Befehl, dass, sollten wieder neue kranke Soldaten „ankhommen“, dafür das „Khranckhenhaus zu Eschlcamb bey der pruckhen aufgericht werden solle“, um sie dort einzulegen. Damit war es aber nicht getan: Die Eschlkamer widersprachen vehement, dass es im Marktbereich je ein Krankenhaus gegeben habe. „So würde doch dies ihrer...Peurischen einbiltung (der Großaigener Bauern)  nach  dahin nit zu applizieren (möglich) sein, die aus Ungarn ankommenden und mit gefährlichen Krankheiten behafften Soldaten aufzunehmen“. Der Markt wehrte sich entschlossen gegen den Vorschlag der Großaigner, ein eigenes, wenn auch sehr bescheidenes „Krankenhaus“ zu bauen.  

    In dem von der Regierung zu diesem Thema eingeforderten Bericht vom 28. März 1689 erwähnt der Pfleger von Kötzting, Johann Jakob Poyssl zu Loifling nach Anfrage bei der Dorfgemeinde Großaign, ob „bey der Pruckhen vor dem Markht Eschlcamb“ einst ein Krankenhaus des Marktes gestanden sei, die Dorfgemeinde gebe einhellig vor, mittels alter Bürger von Eschlkam selbst zu beweisen, dass früher dort ein Krankernhaus gestanden und vom Markte erbaut und unterhalten worden sei. Deshalb erwarte er dazu die weitere Entscheidung der Regierung, was zu tun sei.

    Grundsätzliche Frage war nämlich, ob das Krankenhaus bei der Brücke allein nur für die Bürger des Marktes, oder auch beispielsweise für die aus Ungarn, oder „anderen Ländern mit ankhlebigen (ansteckenden, gefährlichen) Khrankheiten behafft gewesene...fremde Persohnen angesehen, und erpauth gewesen seye“ Alle befragten Bürger sagten aus, es sei bei der Brücke (wohl an der Seite auf Eschlkam zu) einst ein kleines Heusl, gestanden, zerstört aber im Schwedenkrieg. Zwei alte Leute hätten dort gewohnt.  Niemals aber seien damals Bürger noch kranke Soldaten in diesem Haus untergebracht gewesen. Auch habe eine Nachschau in den Marktrechnungen aus dieser Zeit dafür keinen einzigen  Hinweis erbracht. Daraufhin forderte am 2. Juni die Regierung vom Pfleger in Kötzting und von den Großaignern in dieser Sache einen weiteren Bericht.

    Die Angelegenheit zog sich hin. Erst am 11. August 1690 berichtet Pfleger Poyssl, dass er die „aydliche“ Erfahrung eingeholt habe.  Voraussetzung für die Auswahl der zu befragenden Personen war, dass diese einen „ehrlichen Leimueth“ (guten Leumund) hatten.
     
    Die „aidliche erfahrung“

    Als erste Persohnn wurde Georg Spätt, Burger und Gastgeb zu Eschlcamb, über 80 Jahre alt, vernommen. Demnach sei vor 60 Jahren innerhalb der „Pruckhen zu Eschlcamb ein Armes Haus“ (Armenhaus) gestanden und eine Arme, das „Stelzenweib“ genannt, habe dort gelebt. Damals habe es weder kranke Soldaten noch andere kranke Leute gegeben. Daher wisse er nicht, ob es für die Kranken erbaut worden sei. Auch wisse er nicht, welches Haus im Schwedenkrieg abgebrannt und seither nicht mehr aufgebaut worden sei. Die inhaltlich gleiche Aussage machten der 75 Jahre alte Bürger und Schreiner Wolf Zilckher und der Schuhmacher Hans Preu, 83 Jahre alt.  

    Wolf Pongraz von Stachesried, 70 Jahre alt, bestätigte, dass innerhalb der Brücke bei Eschlkam ein „Heusl“, genannt das „Pruckh Heusl“, gestanden sei. Darin hätten damals ein armes Weib und der „Todtengraber“ gewohnt. Der (schwedische) Feind habe es niedergebrannt. Den früheren Zweck des Hauses kenne er nicht.

    Als fünfte Persohn sagte Wolf Pongratz aus, 72 Jahre alt. Er erinnerte sich an das kleine Häusl innerhalb der Brücke. Darin hätten die Armen und „Petlleith“ gewohnt, „die man hin.: und wider gefihrt, hinein gelegt“. Damals war es wie andernorts auch üblich, wandernde Bettelleute, denen ein längerer Aufenthalt in der Gemeinde nicht erlaubt wurde, im sog. Armenhaus für kurze Zeit, oft nur einen Tag, unterzubringen. Aber eine Nutzung für kranke Personen wisse er nicht. Der über 70 Jahre alte Paulus Prändl von Großaign erinnerte sich an das ehemalige Stelzenweib und auch an die sogenannten „Pruckhmädl als arme . 2 . Weiber (die sich dort) aufgehalten, auch an die Petlleith, wanns von ainem Orth zum andern geführt worden, seien diese in dieses Haus gebracht worden, was auch die meisten Bettler wünschten, da sie dort von dem Pruckkmedl oder (der) Margarethin, welches gar ein fleissiges Weib gewest, gefihrt werden khönnen“. Ob aber diese Einrichtung damals als ein Krankenhaus genutzt worden sei, wisse er nicht, sondern nur die Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg.

    Mit diesen Ausführungen schließt unvermittelt die Akte. Wahrscheinlich verzichtete die Regierung darauf, diese Angelegenheit weiter zu verfolgen. Offenbar endete bald auch die Belastung der Dorfgemeinde Großaign mit durchziehenden, kranken Soldaten aus dem Türkenkrieg.

    Resümee

    An die 320 Jahre sind diese Vorkommnisse her. Zwei Parteien haben wir vor uns: Einmal die Bauernschaft von Großaign, dann die Bürger des Marktes Eschlkam. Früher war es üblich, dass die einzelnen Gemeinden aus dem christlichen Gebot der Nächstenliebe heraus den Ortsarmen, auch kranken Personen ohne Ansehen der Person eine Wohnung und auch eine soweit wie mögliche Verpflegung wenigstens für eine kurze Zeit zu gewähren hatten. Die Ortsarmen, die damals keine Gemeinde gerne haben wollte, mussten aus der Kommunalkasse unterhalten werden. Verstarb dann ein Bettler oder eine der Gemeinde zugewiesene völlig mittellose Person, so hatte die Gemeinde letztlich auch für eine Grabstelle und ein einfaches christliches Begräbnis zu sorgen.

    Werner Perlinger

  • Als Anna Schneider in Eschlkam den Hebammendienst antrat

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    Hebammen verrichteten sehr früh schon im Hohenbogen-Winkel ihren nicht leichten Dienst. Er war sehr verantwortungsvoll, da damals Frauen häufig im „Kindsbett“ verstarben. Ignatz Semmelweis, ein ungarisch-österreichischer Arzt, der den Umstand, dass Bakterien, ausgelöst durch ungereinigte medizinische Geräte, für die nahezu immer tödliche Erkrankung der Frauen verantwortlich waren, hatte gerade erst um die Mitte des 19. Jahrhunderts diese Ursachen klar erkannt und auch in Fachkreisen veröffentlicht. Seine Erkenntnisse wurden lange Zeit nicht akzeptiert. Umso wichtiger waren in dieser Zeit für die Kleinstädte, Märkte und das Land gut ausgebildete Hebammen, die es verstanden, hygienisch sauber zu arbeiteten und den gebärenden Frauen in ihrer schweren Stunde Hilfe leisten konnten. Dazu vorerst noch ein Blick zurück.

    Das frühe Hebammenwesen – weise Frauen helfen

    Das Hebammenwesen ist alt. Sog. „weise Frauen“, die sich auf vielerlei Heilverfahren und medizinische Mittel dazu verstanden und vor allem eine entscheidende Hilfe bei Geburten geben konnten, gab es zu allen Zeiten. Sprachgeschichtlich alt ist daher auch der Begriff „Hebamme“. Ihm liegt die altgermanische Wortverbindung „heba amma“ zugrunde. Er entwickelte sich etwa seit dem 9. Jahrhundert aus dem althochdeutschen Wort „Hefihamma, Heuima, Heuammen“ für die Geburtshelferin. Das Wort wurde volksethymologisch an das geläufige Wort „Amme“ für die Nährmutter angelehnt, das seinerseits ursprünglich ein Lallwort der Kindersprache ist.
    Die Geschichte der Geburtshilfe reicht weit zurück in die frühe Menschheitsgeschichte. Dem Ursprung nach ist Geburtshilfe eine solidarische Hilfe, die sich Frauen gegenseitig leisten. Bereits im Alten Testament wird unterschieden zwischen Hebammen, die für die eigentlichen Geburten verantwortlich waren und Ärzten, die die Komplikationen nach der Geburt behandelten. Mitte des Zwanzigsten Jahrhunderts gab es wohl den größten Wandel in der Geschichte der Geburtshilfe. Die Ursache dafür war die Verlagerung des Geburtsgeschehens in die Klinik und die Etablierung einer eigenständigen Geburtsmedizin.

    Beginnen die archivalischen Nachrichten über ein geordnetes Hebammenwesen im Markt Eschlkam erst vor der Mitte des 19. Jahrhundert, so scheint es die Einrichtung von Hebammen im Gemeindebereich schon weit früher gegeben zu haben.

    Wir schreiben das Jahr 1841: Am 18. September berichtet ein Protokoll, dass die bisher im Markt tätige Hebamme Theres Pach – verwandt mit dem Kunstmaler Alois Bach – unlängst gestorben ist. Demnach wurden sämtliche Gemeindevorsteher des sog. Hebammen-Distrikts Eschlkam vorgeladen um über eine Wiederbesetzung des nun vakanten Distrikts zu beraten. Eine Lösung schien sich in der Person der Hebamme Katharina Überreiter abzuzeichnen. Diese stammte aus Neukirchen b. Hl. Blut, wo ihre sehr betagte Mutter ebenfalls noch als Hebamme tätig war. Das Landgericht Kötzting, eingeschaltet in die ganze Angelegenheit, hatte gegen die Aufnahme der Überreiter als Hebamme in Eschlkam keine „Erinnerung“ (Einwand), verwies jedoch auf die Tatsache, dass beim Tode der Mutter dem Markt Neukirchen ein Einberufungsrecht gegenüber der Überreiter zustehe. Letztlich ordnete die Behörde an, dass die Katharina Überreiter zur Verpflichtung in Eschlkam am 23. Oktober 1841 in Kötzting zu erscheinen habe.

    Am 28. Juni 1842 berichtet der Magistrat Eschlkam, dass die Katharina Überreiter bereits am 18. September 1841 als Hebamme des „allhiesigen Distrikts“ aufgenommen worden sei, der Gemeinde Neukirchen wohl das „Einberufungsrecht zustehe“, diesem aber die neue Hebamme, würde ihre Mutter sterben, „förmlich des Distrikts entsagte.“ Vielmehr sollte den Neukirchner Bereich künftig ihre Schwester Anna Überreiter, auch eine ausgebildete Hebamme, übernehmen. 

    Einige Jahre später waren die Bewohner des Distrikts Eschlkam mit der Arbeit der Hebamme nicht mehr zufrieden und man suchte nach einer neuen Lösung, um die Überreiter los zu werden. Festgestellt wurde am 14. Juli 1845, dass sie in Eschlkam nur provisorisch aufgenommen worden sei, auch nütze sie wenig und die Bevölkerung hätte kein Vertrauen in sie. Vor allem wurde moniert, dass die „jetzige Hebamme Katharina Überreiter eine unzüchtige mit 3 unehelichen Kindern versehene Weibsperson ist“. Besser wäre es, sie täte ihren Dienst in ihrem Herkunftsort Neukirchen, da diese Gemeinde „ihrer Annahme nichts im Wege legt“. Dahinter steht selbstverständlich auch die Überlegung der Nachbargemeinde, dass sie deren Ausbildung finanziert habe, diese nun aber für Eschlkam zum Tragen komme.

    Zugleich war für den Hebammen-Distrikt Eschlkam eine neue Situation entstanden. Der Magistrat wollte auf Dauer eine aus dem Marktbereich stammende Hebamme, und so bot sich nun eine Lösung in der Person von Anna Schneider an. Am gleichen Tag, den 14. Juli 1845 meldet der Magistrat an das Landgericht Kötzting: „Anna Schneider junge und ehrbare Burgers Tochter hat sich um den Hebammendistrikt Eschlkam als eintretende Hebamme bey der Magistratur Eschlkam angemeldet, indem die jetzige Hebamme Katharina Überreiter nur provisorisch aufgenommen und für die Marktgemeinde Neukirchen als eintretende Hebamme bestellt ist, worüber keine Widerrede nicht vorliegt. Der Anna Schneider ihre löblichen Zeugnisse, bestehend aus 6 Produkten, werden in Urschrift gehorsamst vorgelegt und selbe Bestands empfohlen.“

    Offenbar genügte die Ausbildung der höheren Behörde noch nicht, denn am 23. Juli 1845 wird berichtet, dass die neue Hebamme Schneider „in die Lehre nach München geschickt wird.“ Für die „Erlernung dieser Kunst…schoß der Hebammen Distrikt Eschlkam 100 Gulden vor“. Diese mussten „gefälligst (sofort) an den Vorstand der Hebammen Schule in München“ überwiesen werden. Am 9. August musste „die Hebammskandidatin Anna Schneider, Bürgerstochter aus Eschlkam“, sich dem Landrichter in Kötzting vorstellen. Noch am 10. Januar 1846 musste der Markt 20 Gulden an die Schule in München nachzahlen. Ein weiteres Schulgeld in Höhe von 36 Gulden wurde als „Sustentations-Beitrag“ (Unterstützung) je nach wirtschaftlicher Lage als „Repartition“ (anteilsmäig) auf die Gemeinden Eschlkam, Schwarzenberg, Großaign, Stachesried, Warzenried und Kleinaign umgelegt. Grundlage dafür war das jeweilige Steueraufkommen, wobei Großaign mit einem Steueraufkommen von 688 Gulden (fl) mit 8 fl den höchsten Betrag lieferte, dahinter Schwarzenberg (637 fl zu 7 fl), Eschlkam (475 fl zu 5 fl) und Stachesried (420 fl zu 5 fl) und letztlich Warzenried (404 fl zu 4 fl) und Kleinaign (363 fl zu 4 fl).

    Werner Perlinger       

  • Als sich der Räuber Michael Heigl im Hohenbogen-Winkel herumtrieb

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    Viele Bewohner des Hohenbogen-Winkels kennen so manche Begebenheit aus dem Leben des Räubers Michael Heigl vom Kaitersberg, denn oftmalen ist über ihn schon geschrieben worden. Geboren im Jahr 1816 in Beckendorf bei Kötzting, war der Sohn eines Tagelöhners zunächst Hütejunge bei einem Bauern und begann dann eine Ausbildung zum Schlosser in Furth bei dem Schlossermeister Peter Aunzinger, der 1830 aus Kötzting in die Grenzstadt zugezogen war. Als er im Further Pfarrhof das Schloss einer Truhe reparieren sollte, fand er darin einen stattlichen Beutel voll Geld, ließ seinen Meister in Stich und flüchtete damit aus der Stadt. Wegen dieser Tat und anderer Umtriebe stand Heigl seit 1841 unter Polizeiaufsicht. Nachdem er in Kötzting als fahrender Händler ohne Gewerbeschein verhaftet wurde, floh er 1843 aus einem Straubinger Gerichtssaal in den Bayerischen Wald. In den Folgejahren beging der Einzelgänger seine Raubzüge hauptsächlich in der Kötztinger und Viechtacher Gegend wie auch im Hohenbogen-Winkel und er kam bei seinen Streifzügen sogar bis in die Gegend von Landshut. Mehrere Jahre verbrachte Heigl auch im damaligen Ungarn (heute die Slowakei).

    Als häufiger Aufenthaltsort und Versteck diente ihm die sogenannte Räuber-Heigl-Höhle auf dem Kaitersberg unterhalb des Kreuzfelsen. Da Heigl bei seinen Streifzügen vor allem reiche Bauern und auch Pfarrhöfe heimsuchte, erfreute er sich bei den ärmeren Volksschichten großer Sympathie und breiter Unterstützung. Doch durch den Verrat eines früheren Kumpanen entdeckte man sein Höhlenversteck. Am 18. Juni 1853 wurde er dort gefasst und 1854 in Straubing zum Tod durch Enthauptung verurteilt. Nach einem Gnadengesuch wandelte König Max II. die Todesstrafe in eine lebenslange Kettenstrafe um. Wegen guter Führung wurde er nach einem Jahr vom Zuchthaus in Straubing nach München ins Gefängnis in der Au verlegt. Aufgrund seines vorbildlichen Verhaltens erhielt er 1856 dort eine Aufpasser-Stelle übertragen. Durch Kooperation mit dem Gefängnispersonal war er bei mehreren Mitgefangenen unbeliebt geworden. Deshalb erschlug ihn am 5. Januar 1857 ein Mithäftling mit der Kugel einer Fußkette, die diesem ein Zellengenosse überlassen hatte. Der Mörder und sein Mittäter wurden zum Tod verurteilt und im April 1857 in München mit dem Schafott hingerichtet. Heigl‘s Skelett bewahrte die Anatomie in München auf, wo es 1944 ein Bombenangriff zerstörte und so verloren ging. Soviel zur Person Heigls.

    Tatsächlich beinhaltet auch das Marktarchiv Eschlkam Unterlagen, die sich mit der Person Heigl’s befassen. So wandte sich das Landgericht Kötzting am 19. November 1852 an die Marktbehörde in Sachen „Die flüchtigen Verbrecher Michael Heigl und Michael Reimer betreffend“. Eingehend auf das jüngst erst vorgekommene „Raubverbrechen zu Eckelshof und das so schauderhafte Verbrechen des Raubmordes zu Hinterhudlach (gelegen am Kaitersberg), seien dies ebenso traurige als lautsprechende Beweise von dem tieferschütterten Zustande der öffentlichen Sicherheit“, so der Landrichter Carl von Paur in Kötzting. „Wenn auch der Raubmörder der Bäuerin von Hinterhudlach bereits in den Händen der Justiz ist“, so seien auf freien Fuße noch „die Räuber Michael Heigl von Beckendorf und Michael Reimer von Ansdorf“, teilte die Behörde in dem Markt Eschlkam mit. „So lange diese beiden Verbrecher nicht aufgegriffen sind, ist es unerlässlich nothwendig, daß die bekannte Verordnung über die Nachtwachen, über die Dorfwachen an Sonn- und Feiertagen während des Gottesdienstes und über die Bewachung der Einöden durch Zuhausebleiben >wehrhafter Mannspersonen< erneuert und in strengen Vollzug gesetzt werde“. Beauftragt wurde der Bürgermeister von Eschlkam, diese Verordnung sofort bekannt zu machen. Geldstrafen wurden angedroht, sollte man nicht Folge leisten, und auch eine Belohnung wurde ausgesetzt für denjenigen, der über den Verbleib beider gesuchten Räuber verlässliche Auskunft geben könne. Anzunehmen ist, dass von den Pfarrern gerade das Zuhausebleiben von Familienmitgliedern während der Gottesdienste von der Kirche wohl nicht gerne gesehen wurde. Jedoch wurde die Vermeidung räuberischer Überfälle höher bewertet.   

    Erhalten ist auch ein Schreiben des Kötztinger Landrichters Carl von Paur vom 3. Juni 1853 mit dem Titel: Dem flüchtigen Heigl für Störung der öffentlichen Sicherheit betreffend; Demnach würden erfahrungsgemäß die Sommermonate Juni, Juli und August und September „von Michl Heigl, seinen Genossen und anderem Diebsgesindel zur Ausführung von Diebstählen und Raubverbrechen benutzt“. Gerade ein Diebstahl von 150 Gulden in Geld und Geldeswert in der Nacht des 1. Juni beweise dies. Insbesondere wurden im Juni 1847 von Heigl und seinen Genossen „7-8 Raubverbrechen“ verübt. Der Landrichter weist darauf hin, dass mehrere dieser Taten „an Sonntagen während der vormittägigen Gottesdienste verübt, wo nur Weibspersonen zu Haus gelassen wurden“, wie dies der Raub in Simmerleinöd am Kaitersberg beweise.

    Landrichter von Paur appellierte an die Bevölkerung von Eschlkam dringlichst, „nächtlicher Weile die Hausthüren sorgfältig zu schließen und sich gegen einen allenfallsigen Überfall zu rüsten“. Ferner werden die Tag- und Nachtwachen „strengstens eingeschärft und die vielfach in dieser Beziehung erlassenen Verordnungen ernstens wieder ins Gedächtnis aller Gemeindemitglieder zurückgerufen“. Die Gendarmerie, das Gerichtsdienerpersonal und die Gemeindediener wurden auch in Eschlkam beauftragt, die Einhaltung dieser Verordnungen strengstens zu überwachen. Diese amtliche Bekanntmachung wurde am 15. Juni in Eschlkam sämtlichen „Gemeindegliedern vorgelesen“, was diese am Protokoll durch ihre eigenhändige Unterschrift bezeugten. Was der Landrichter noch nicht wusste, wenige Tage später, am 18. Juni wurde Heigl mit seiner Gefährtin nahe seiner Höhle am Kaitersberg gefasst und für immer in Gewahrsam genommen.

    Ebenso wenige Tage vor der Festnahme von Michael Heigl wurde am 11. Juni 1853 eine Verordnung über den verbotenen „Hausierbrodhandel“ erlassen, denn man hatte festgestellt, dass der „flüchtige Verbrecher Michl Heigl von sogenannten Brodhändlerinnen Unterstützung erhielt“. Deshalb wurde „allen jenen unansässigen, obrigkeitlich mit einer Licenz zum Brodhandel nicht versehenen Personen ohne Ausnahme der Brodhandel“ verboten“. Dass diese „Hausiergeschäfte“ blühten beweist die Tatsache, dass „ganze Dorfschaften ohne Bäcker“ seien, so die amtliche Feststellung, und deshalb ihr Brot „von auswärts kommen lassen“ mussten.  Auch war damals die Lage die, dass im Hohenbogen-Winkel viele Bewohner in den Einöden und die Häuselleute im Gegensatz zu den Bauern mangels der nötiger Grundmittel und auch geeigneter Backöfen nicht in der Lage waren ihr eigenes Brot zu backen.

    In Eschlkam lebt bei manch älteren Mitbürgern noch die Überlieferung fort, dass Heigl bei einer Verfolgung durch die Gendarmerie in der Heuhofer Mühle sich unter dem drehenden Mühlrad verstecken und sich so vor dem Zugriff bewahren konnte.

    Werner Perlinger       

  • Die Übergabe des späteren Gasthofs Penzkofer

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    Die Übergabe eines großen Gutes in wirtschaftlich schwieriger Zeit

    Handelte der letzte Beitrag von der Übergabe der sog. Penzenmühle am Ortseingang von Eschlkam, so sei – fortsetzend unsere Reihe über interessante Inhalte im Marktarchiv von Eschlkam – nun ein Besitzerwechsel des Gasthofes Penzkofer dargelegt, den vor über 250 Jahren die Familie Schmirl innehatte. Diese geräumige Hofanlage ist der im Markt topografisch höchstgelegene der sog. „Hoamater-Höfe“, die sich entlang der Straße nach Neukirchen b. Hl. Blut am Berg aneinanderreihen.

    Im 13./14. Jahrhundert waren es nach Aussage des herzoglichen Urbars (Steuerbuch) im Markt Eschlkam zunächst zwei Altsiedel- oder Urhöfe, sog. Fron- oder Herrenhöfe auf Herzogs- und Königsgut. Die Silbe „vron“ oder „fron“ bedeutet in mittelhochdeutscher Sprache dem Herrn zugehörig. Sie waren dann ein Teil des „Aigen ze Eschenkambe“ in der markgräflichen Epoche und kamen schließlich nach dem Jahr 1204 in wittelsbachisch-herzoglichen Besitz.

    Diese ursprünglich zwei Höfe dürfen im Markt derzeit mit vier Anwesen in Verbindung gebracht werden:
    Gemeint sind damit die Anwesen Gasthaus zur Post (beim Obermeier-Xaver Penzkofer), Josef Pfeffer (Hoamater), Xaver Späth (beim Späth`n) und der „Brücklbäck“ (früher Elektro-Seiderer- jetzt Ernst und Stefan Fenzl). Die ersten drei liegen an der Straße nach Neukirchen in einer Reihe am Berg, der vierte leicht abseits an der den Markt durchquerenden Straße nach Neumark/Vseruby, das heutige Anwesen Fenzl. Diese vier Anwesen sind aufgrund besonderer Gegebenheiten aus den beiden in den Steuerbüchern des 14. Jahrhunderts genannten Altsiedelhöfen gewachsen. Die beiden Fronhöfe waren siedlungsgeschichtlich von Anfang an da. Daher rührt auch der sinngebende Hausname „Haimater“ oder „Hoamater“, dem die Begriffe „Heim“ bzw. „Heimat“ zugrunde liegen. Diese Güter besaßen auch die besten Grundstücke im landwirtschaftlichen Umgriff des Marktes.

    Im 18. Jahrhundert gehörte der damalige Gasthof mit ausreichender Ökonomie der Familie Schmirl. Nun stand im Jahr 1747 ein Besitzerwechsel an. Nach dem Ableben von Franz Paul Schmirl, „geweßter resignirter Burgermaister und Gastgeber“, stellten am 6. Februar der Bürgermeister und seine Markträte für den noch ledigen Sohn Franz Anton Schmirl einen sog. Ankunftsbrief (Urkunde über Besitzeinweisung, bzw. Besitztitel) für die Übernahme des Anwesens aus. Der Hof mit allen dazugehörenden Gründen wurde dabei auf 7742 Gulden geschätzt, ein damals in unserer Gegend sehr hoher Betrag. Auslöser für diese Maßnahme war ein am 27. Januar erlassener Befehl der kurfürstlichen Regierung in Straubing „zur Vermeydtung der vor Augen gestandtenen Gandt Formierung“, zugleich aber auch dafür, dass die Gläubiger ihre Ansprüche nicht verlören.
    Das gesamte Erbgut wurde von verpflichteten „Schätzleiten“ begutachtet. Es waren dies die zwei „Haimbetern“ (Hoamater) Hans Preu und Hans Georg Schreiner (beide Nachbarn), ferner der Lederer Hans Paumbgartner und der Müller Josef Müller.
    Ausgehend von einer Schätzsumme von 7742 Gulden musste der junge Schmirl allein an den Grafen Alexander von Lerchenfeldt auf Gebelkoven, den Hauptgläubiger der Familie, an „heyrige Ostern“ 1000 Gulden bar erlegen und im Folgejahr 1508 Gulden. (Die Herren von Lerchenfeld gehören zum altbayerischen Uradel. Wir treffen sie immer wieder als Inhaber hoher Ämter in den einzelnen bayerischen Regierungen. Zweige der Familie bestehen bis heute). Wieso Schmirl gegenüber dem Grafen so hohe Schulden hatte ist vorerst näher nicht erläutert. Die Gläubiger mit „klaineren Schuldtposten“ seien mit Grundstücken zu „contentiren“ (befriedigen). Letztliche Schulden mussten hypothekarisch abgesichert werden.
    Es war für den jungen Schmirl, der 1752 Anna Maria Mauser heiratete, eine über längere Zeit hin schwere Bürde, die er aber im Laufe der nächsten Jahre zu meistern hatte.

    In einem Vertrag vom 1. Juli 1747 wird betont, dass die Familie Schmirl in den „jüngst verflossenen Kriegszeiten durch die viele zu prostieren gehabte Anlag (Kriegsanleihen) und Quartirs in eine solchen Schuldenlast verfallen“ sei. Gemeint sind die enormen Belastungen, die der Österreichische Erbfolgekrieg (1740-1742) infolge Einquartierungen und sonstiger Kriegsleistungen für die besitzenden Bürger im Hohenbogen-Winkel mit sich brachte. Die Kosten für die Einquartierung und Verpflegung von Soldaten wurden vom Staat meist nicht mehr ersetzt. In diesem gleichen Vertrag verpflichtete sich der Gutsübernehmer auch für seine drei Geschwister insgesamt 1050 Gulden auszuzahlen, verständlicherweise aber in kleinen Raten. Genannt werden der Bruder Johann Nepomuk, bedienstet beim Salzamt in Straubing, ferner seine Schwester Anna Catharina Späth, Frau des Wirts Veith Späth von Großaign (Wirtshans) und Theresia, Frau des Franz Bittig. Dieser war vorher Corporal bei den Graf Fuggerischen Dragonern. Laut Inhalt des Briefprotokolls vom gleichen Jahr war der junge Schmirl gezwungen, etliche Grundstücke zwangsweise zu verkaufen um sein Gut nicht zu verlieren. In den Besitz dieses Anwesens war der Vater Franz Paul Schmirl am 7. Juli 1715 durch Einheirat in die Familie Altmann gekommen. Diese Familie war lange im Besitz dieser Hofanlage.

    Werner Perlinger    

        

  • Die erneute Übergabe des „Schmirl“-Anwesens in Eschlkam

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    Als „Austrägler“ mit der Kutsche gerne unterwegs

    Berichteten wir im letzten Beitrag über den Besitzerwechsel des derzeitigen Gasthofes „zur Post“ im Jahr 1747, so stand gut 25 Jahre später erneut die „Übergab“ der gleichen „burgerlichen Gastgeber Behausung“ der Familie Schmirl an, seit 1955 im Besitz der Familie Penzkofer.

    Aus dem Übergabevertrag lesen wir:
    So übergeben „der Edl Veste und Wohlweise Herr Frantz Antoni Schmirl Burgermaister alhir zu Eschlkam“ und seine Frau Anna Maria am 10. Mai 1776 unter Beistandsleistung von Michael Grauvogl, „burgerlichen Baadern“, ihre am 6. Februar 1747 durch „obrigkeitlichen Ankonfts Titl an sye (sich) gebrachte … burgerliche Gastgebs Behausung“ ihrer „geliebten eheleiblichen Jungfrauen Tochter Maria Anna, noch ledig“. Genannt wird auch deren künftiger Ehemann Josef Weber, Sohn des Wolfgang Weber, „gewesten Bauern am Sternberg (der nach 1946 abgegangene große Sternhof bei Rothenbaum), Cameral Unterthan in Böhmen“ (steuerlich zur böhmischen Hofkammer in Prag gehörig).

    Weiter sind in der Niederschrift des Briefprotokolls aufgeführt die Stallung, Stadel, Wurz- und Grasgarten, Felder und Wiesengründe; ferner 4 Zugpferde, 24 Stück Rindvieh – „außer es ergebete sich eine sonderheitliche Vieh Seuche, welches Gott gnädlich verhindern wolle“. Zur Übergabe zählten noch zwei „Schweins Mütter“ (Muttersauen), 2 Dutzend zinnerne Teller, 1 Dutzend gleiche Schüsseln, „3 Gastbetter“ (für die Übernachtung von Reisenden) samt übrigen „Haus- und Paumanns Vahrnuß“ (häusliches Mobiliar und landwirtschaftliche Gerätschaften).

    Erinnern wir uns unter welchen finanziellen Schwierigkeiten Franz Anton Schmirl den Besitz seiner Eltern im Jahr 1747 übernehmen musste, so kann bei jetziger Übergabe festgestellt werden, dass Schmirl in den knapp 30 Jahren überaus gut gewirtschaftet hatte. Der Wert der gesamten Immobilie mit Zubehör wurde nun auf stolze 8000 Gulden geschätzt. „Siglzeugen“ dieses Vertrages waren die Bürger des Marktes Thomas Stauber, Uhrmacher und Stefan Hastreiter, Schmied von Eschlkam.

    Am gleichen Tag, dem 10. Mai, wurde für das Ehepaar Schmirl auch ein „Ausnahms Brief hierauf“ ausgefertigt. Darin versprach das junge Ehepaar den Schwiegereltern „ad dies vitae“ (zeitlebens) nachfolgenden Austrag: 

    1. Den Bau einer „Ausnahmswohnung“ (entweder musste für die übergebenden Eltern im vorhandenen Hauskomplex als Altenteil eine Wohnung neu eingerichtet oder gar ein eigenes Ausnahmshaus erworben oder gebaut werden).
    2. An Getreide 4 Ell (1 Ell oder „oel“ entsprach als Getreidemaß ½ Scheffel=111 Liter oder ca. 1,5 Zentner) Weizen, 10 Ell Korn, 2 Ell Gerste, 6 Ell „Habern“ und 2 Viertl (= 1 Metzen=ca. 35 Liter) „Arbes“ (Erbsen)
    3. Jährlich 36 Köpf (1Köpf=3/4 Liter) Schmalz, an Milch vom 1. Mai an bis Jakobi täglich 2 „Maaß“ und von Jakobi bis wiederum 1. Mai täglich 1 Maß, und zwar vom „Stahl aus“ (frisch gemolken); ferner an Kraut 5 Schock (1 Schock=60 Stück) „Hauel“ (wohl Häupel); von beiden Gattungen Rüben 2 Ell, also 4; dann 4 Ell „Erdapfl“, 12 „Bischl Spän“ (Kienspäne für die Beleuchtung) und 15 Klafter Holz gratis und letztlich täglich 2 Maß „Pier“.
    4. Auch müssen die Übernehmer 3 Mutterschafe samt deren Lämmer mit den ihrigen füttern und auf die „Waid“ (Weideplatz) ein- und ausgehen lassen.
    5. Ferner dürfen die Übergebenden im „Wurzgarten“ den dritten Teil der Beete nützen. Auch erhalten sie vom Baumgarten den dritten Teil des geernteten Obstes. Gewährt wurde auch der freie Zutritt zum Brunnen (und die Nutzung des) Back = der „Köstloffen“ (Backofen, versehen zusätzlich mit einem seitlich eingebauten eisernen „Höllhafen“ zum Kochen von Kartoffeln). Zur Verfügung musste auch ein Krautbottich gestellt werden, ebenso ein Platz im Keller für die Rüben und Kartoffel; ebenso genügend Platz für die „aufhängung der Wesch“ und im „Hühner Stübl“ für die „hinterbringung des Gfliehs“ (Geflügel).
    6. Wollten die Austrägler eine Reise unternehmen, waren „ein Pferd und der Gutscher ohnentgeltlich“ zur Verfügung zu stellen.

    Endbetrachtend kann gesagt werden, dass bereits damals der Kartoffelanbau im Hohenbogen-Winkel eingeführt war. Gerade dieser Umstand trug dazu bei, arge Hungersnöte wie beispielsweise in den Jahren 1771/72, ausgelöst durch klimabedingte Missernten bei Getreide, künftig auszuschalten. Nicht allein der mit 8000 Gulden hoch veranschlagte Wert des zu übergebenden Anwesens zeigt im damaligen Markt Eschlkam die ökonomisch gehobene Stellung der Familie Schmirl, vielmehr auch der Umstand, dass das Austragsehepaar – in dieser Zeit für den bäuerlichen Stand gewiss selten – gerne  „ausfuhr“ und hierfür die besitznachfolgende  Tochter stets eine Kutsche mit Pferd zur Verfügung stellen musste.

    Werner Perlinger